Brief 77: „Publizieren eure AbsolventInnen eigentlich?“- Der Passion-Writing-Lehrgang

Dear writer,

„Publizieren eure AbsolventInnen eigentlich?“ – diese Frage wird immer wieder einmal an uns gerichtet. Die schnelle Antwort ist: Ja und nein. Oft antworte ich mit einer Gegenfrage: „Was sind denn die Erfolgskriterien für gelungenes Schreiben?“ Zu publizieren ist vielleicht eines, aber weder das wichtigste noch immer passend. Klar, beim Journal Writing in all seinen Formen geht es genau nicht um Öffentlichkeit. Schreiben erschafft einen wundersamen „room of one‘s own“. Gelungen ist freies Schreiben für sich selbst, wenn es mir gut tut, wenn ich dabei zur Ruhe komme, gar eine neue Lösung oder eine frische Idee hervorpurzelt. Das ist Gold wert.

Ok, aber wie ist das mit den Workshops im Passion Writing Lehrgang, entstehen da publizierbare Texte? Im Short Story-Workshop, unserem überaus beliebten „Einstieg ins literarische Schreiben“, besteht Erfolg, in dem großen Vergnügen, in der magischen Befriedigung – innerhalb von ein bis zwei Wochenenden – eine eigene Geschichte zu schreiben mit Anfang, Ende, Konflikt, Figuren, Dialogen, Setting etc. Was gibt es Schöneres? Soll die erste Geschichte oder jede Geschichte, die man/frau schreibt, publiziert werden? Eher nicht. Schreiben braucht… Übung, Schreiben ist ein kreatives Handwerk, in dem frau immer besser wird, langsam eine ganz eigene „Voice“ entwickelt. Leute, die einen Malkurs besuchen, glauben – zumeist – auch nicht, sie müssen gleich eine Galerie finden, oder es war nicht wert zu malen. Unsere Workshops ermöglichen genussvolle Schreib-& Lernprozesse. Das „Friendly Feedback“ gibt den gerade entstehenden Geschichten eine sanfte, kleine Öffentlichkeit und inspiriert gleichzeitig zum Weiterschreiben. Das ist vielleicht das wichtigste Ziel unserer Workshops: Inspirieren zum Weiterschreiben, zum Experimentieren, zum immer besser Formulieren, Beschreiben & Dranbleiben können.

Dennoch, manchmal kommt es vor, dass eine Geschichte, die im Short Story-Workshop entstanden ist oder schon die erste, die danach geschrieben wurde, einen Preis gewinnt und/oder in einem Sammelband publiziert wird. Zumeist dauert dies aber länger und das ist gut so. Schneller finden manche Reiseartikel, die im Travel Writing-Workshop oder Blogs & Kommentare, die im Personal Essay-Workshop entstehen, das Licht der Öffentlichkeit, weil diese Textsorten leichter publizierbar sind. Es sind auch schon ein paar Sachbücher, Kinderbücher und Romane am Markt, die ihren Anfang im writers´studio nahmen. Ein Memoir braucht hingegen zumeist besonders lange, bis es reif ist. Der Prozess des Erinnerns, Fokussierens und Klärens, des Schreibens einer eigenen „Lebensreise“ ist vielleicht das Fruchtbarste, was man/frau im Leben tun kann. Aber es braucht Zeit. Nehmt euch doch die Zeit, sagen wir immer wieder. Wozu die Eile?

Wir freuen uns naturgemäß riesig mit unseren AbsolventInnen, wenn sie publizieren. Wir posten die Texte und Bücher auf Facebook und listen sie in unserer Print-Zeitung writers´letter auf. Aber… wir versuchen insgesamt die TeilnehmerInnen eher ein bisschen zu bremsen, d.h. zu motivieren, sich für die eigene Entwicklung und die des Textes/Buches Zeit zu gönnen. Warum?

1. Weil gut Ding Weile braucht,
2. kann der dringliche Wunsch, schnell an die Öffentlichkeit zu gehen und dann vielleicht leider keine Publikationsmöglichkeit zu finden oder bei Wettbewerben leer auszugehen, sehr frustrieren und die Schreiblust empfindlich stören und
3. kann auch das Publizieren (vor allem das zu schnelle) manchmal weh tun. Das Buch ist da, aber wie ist die Resonanz? Wie niedrig Verkaufszahlen sein können, schockiert manche. Oder es gibt kritische Rezensionen, denen sich die Schreibenden nackt und schutzlos ausgesetzt fühlen. Auch tritt manchmal eine postnatale Depression/Flaute auf. Das Werk wurde mit aller Kraft vollendet und was nun? Da ist es wichtig, guten Boden unter den Füßen zu haben, eine community… Julia Cameron empfiehlt in „Die Kunst des Schreibens“ lange Zeit so etwas wie eine mittelalterliche Burgmauer um die eigene kreative Entwicklung und die textlichen Outputs zu errichten. Überleg dir sehr genau, für wen du die Zugbrücke öffnest. Für wohlmeinende Förderer, UnterstützerInnen und eine bestärkende writers´ community. So eine community nehmen viele AbsolventInnen unserer Lehrgänge in ihr weiteres kreatives Leben mit. Und so eine community kann einem dann auch zur Seite stehen, wenn eigene Texte im Rampenscheinwerferlicht der Veröffentlichung stehen oder die Durststrecke bis zum Verlagsvertrag lang wird.
Auch stärkt es das kreative Selbst sehr, viel auszuprobieren, viele Textsorten /Genres, Stimmen und Themen (wozu der Lehrgang anregt) und an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten . So wie Johanna Vedral, die, als sie ihren kürzlich erschienenen Roman „Freiheit, du wildes Tier“ 1001 mal überarbeitete, nebenbei schon am nächsten Buch schrieb. So hat das auch Virginia Woolf gemacht! Sie hat stets nebeneinander an literarischen Projekten , Artikeln und Sachbüchern gearbeitet und zusätzlich exzessiv Tagebücher und Briefe geschrieben.

Also: Don´t put all your eggs in one basket. Don´t put all your writings into the publicity basket!

Und brüte deine Küken gut aus! Johanna und ich entwickeln schon seit Jahren im Geiste einen Artikel über die komplexe, spannende und überraschende Arbeit der „Text-Revision“/des Überarbeitens. Es gibt auch einige Workshops im writers studio, die dich bei dieser letzten, wichtigen Phase des Schreibprozesses unterstützen:
Im Lehrgang und auch einzeln buchbar:
Starke Headlines! Überschriften. Sager. Buchtitel.
Mit wenigen Worten Aufmerksamkeit
für meinen Text wecken
Die große Kunst des Überarbeitens: „Developmental Editing“ von Figuren, Dialogen, Spannung & Aufbau
Schreibabend mit Friendy Feedback: jeden 3. Montag im Monat
Sprachlicher Feinschliff – Texte überarbeiten, ohne ihre natürliche Schönheit zu zerstören

Außerdem:
Non-Fiction-Feedback-Gruppe
All Right? Rechtschreiben für Freewriter
Von der ersten Publikation zum Verlag: Wege zum literarischen Erfolg

Schreibprozessorientierte Grüße ;-)
sendet euch
Judith

PS: Achtung, wir verlängern den Frühbucher-Preis für alle drei Lehrgänge „Passion Writing“ & „Schreibkompetenz fürs Business“ und „Journal Writing Methoden“ bis 10. November!

PPS: Im Dezember gibt´s wieder ein Lehrgangs-Treffen zur Begrüßung der neuen TeilnehmerInnen (2019/20), Zertifikatsverleihung für die frischen AbsolventInnen von 2018/19 und Vernetzung mit den AbsolventInnen früherer Jahrgänge. So macht Schreiben, Weiterschreiben und Überarbeiten Spaß.

 

AKTUELL IM WRITERS´STUDIO

1. Restplätze

Journal to the Self: 18 Methoden für mehr Abwechslung, Tiefe und Perspektive im täglichen Schreiben nach Kathleen Adams, Center for Journal Therapy, Denver, USA, Start: 12. Dezember
VWA-Bootcamps: Gemeinsam geht es leichter, Start: 27. Dezember
Life Writing – Einstieg ins Schreiben über das eigene Leben, Start: 2. Jänner
Mindwriting zum Jahreswechsel: Wünsche, Ideen & Fokus für das Jahr 2020 erschreiben, Start: 2. Jänner
Online Texte, die verkaufen Teil 1: Activate your Website, Start: 14. Jännner
1×1 des journalistischen Schreibens für Nicht-JournalistInnen (Teil I): Professionelle Artikel für Print- oder Online-Medien, Start: 28. Jänner
Storytelling fürs Business: Mit emotionalem Content überzeugen, Start: 30. Jänner

2. Lehrgänge
Lehrgang „Journal Writing Methoden“, Start: 21. November 2019
Lehrgang „Passion Writing“, Start: 29. November 2019
Lehrgang „Schreibkompetenz fürs Business“, Start: 26. November 2019
Lehrgang „SchreibtrainerIn werden (TIP)“, 2. Gruppe ab 30. Jänner 2020
Achtung: wir verlängern die Frühbucherpreis-Frist für die Lehrgänge „Journal Writing Methoden“, „Passion Writing“ und „Schreibkompetenz fürs Business“ bis 10. November!

3. Neu in unserem Jahresprogramm!
Mindwriting for Business I & II, Start I: 21. Jänner, Start II: 24. März 2020
Von der ersten Publikation zum Verlag – Wege zum literarischen Erfolg, Start: 29. Februar 2020
Humor Writing – Nonsens-Comedy-Satire: Die Kunst aus Alltäglichem Abgründiges zu machen, Start: 21. März 2020
Poetry II mit Gabriella Attems, Start: 24. Jänner 2020
All Right? Rechtschreiben für Freewriter, Start: 25. April
Reden & Vorträge schreiben – Vom leeren Blatt zum souveränen Auftritt, Start: 19. Mai 2020
Gastworkshop aus den USA: Mythic Memoir Book Art – A writing and collage workshop mit Victoria Rabinowe aus Santa Fe (Kurssprache Englisch), Start: 30. Mai 2020
Atlantic Writing Retreat in Cornwall – An der Küste gehen, in die Weite schauen & viel schreiben wie Virginia Woolf, Start: 25. Jul 2020 (nur mehr Wartelistenplätze)
Frei Geschrieben für DissertandInnen und HabilitandInnen, Start: 29. Mai 2020

4. Kostenlose Infoabende
Di, 5. November 2019, 19 Uhr Schnupperworkshop: VWA schreiben
Mi, 11. März 2020, 19 Uhr: Infoabend zu allen Seminaren aus dem Bereich „Passion Writing“ & „Schreibkompetenz fürs Business“
Do, 23. Jänner 2020 um 19 Uhr: Infoabend und Schnupperworkshop zum Seminar „Frei Geschrieben“

5. Jede Woche ein Schreibtreff im writers´studio:
SchreibNACHT: Jeden 1. Freitag im Monat.
1-DAY Retreat mit Frühstück: Jeden 2. Montag im Monat.
SchreibABEND mit Friendly Feedback: Jeden 3. Montag im Monat.
SchreibVORMITTAG mit BreathWalk®: Jeden 4. Donnerstag im Monat.
SchreibSONNTAG: 1 x im Quartal, nächster Termin: 10. November & 15. März 2020

Fotoquellen:
Verlag punktgenau, Verlag Kremayr & Scheriau, GOLDEGG Verlag