Liebe Schreibende,
brauchen wir in Zeiten von KI überhaupt noch selbst Bücher/Texte schreiben (und Schreiben lehren)? Ich weiß, das ist eine „No-Na-Frage“* – fast niemand würde sie verneinen. Dennoch, es gibt Momente im Leben, sagen wir mein ganzer letzter Monat, in dem einen von Menschen geschriebene Texte/Bücher derart überraschen, ins Herz treffen, ins Staunen bringen, berühren, begeistern. Ja, sagen wir, es sind Geniestreiche, geniale menschliche Kreativität, die wirklich Neues hervorbringt: kein Muster, kein Klischee, kein Wiederkauen. Einfach neu und erschütternd gut. Zwei dieser drei Texte werde ich euch heute kurz vorstellen, sie sind extrem unterschiedlich:
„Demon Copperhead“ von Barbara Kingsolver, ein fetter amerikanischer Roman, preisgekrönt, Bestseller, erschienen 2022, wollte ich schon lange lesen. Endlich ist es so weit und ich kann zurzeit kaum noch anderes tun, als dieses Buch zu verschlingen (dazwischen versuche ich die Jahresplanung für das writers´studio zu machen). Was soll ich sagen? Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen in den Südstaaten, der in den 1990er Jahren in einem Wohnwagen mit seiner suchtkranken, alleinstehenden Mutter aufwächst, und alles scheint irgendwie gegen ihn zu sein. Ein hartes Leben am untersten Ende der Gesellschaft, Pech und Terror. Aber ist es ein depressives, deprimierendes Buch? Gar nicht. Mit einer Sprachgewalt, die ihresgleichen sucht, einem erzählerischen Tempo und einer frischen Sicht auf die Welt (und die USA) ** treibt Barbara Kingslover ihren Protagonisten namens Demon Copperhead durch seine Kindheit und Jugend und wir mögen ihn so sehr und wir sind so erstaunt, was es alles gibt und wie er scheitert und aufsteht, versucht zu verstehen, das Leben, seine Mutter, das Schicksal, alles versucht, um am Leben zu bleiben. Ja ok, sagen wir, es ist ein Roman der radikalen Resilienz und der menschlichen Intelligenz in größter Krise, wobei ich erst auf Seite 264 von insgesamt 548 der englischen Ausgabe bin und noch gar nicht weiß, wie die Geschichte weiter- und ausgeht. Denn ich bin in diesem Roman schon etliche Male von Barbara Kingsolver sehr überrascht worden. Wie gesagt, keine Klischees, keine vorhersehbaren Muster, mit denen uns KI bis zum Erbrechen abfüttert. Ich verrate nichts, aber ab Seite 190 taucht eine wichtige Person auf, die eine der stärksten und überraschendsten Frauenfiguren ist, die mir je in einem Roman untergekommen ist. Mich hat´s im Bett beim Lesen förmlich aufgesetzt. Also gut, lest „Demon Copperhead“ und berichtet!
Das zweite Buch, das ich euch ebenso sehr ans Herz legen will, ist ganz anders: schmal, österreichisch, dokumentarisch. Aber ebenso großzügig und menschlich warm wie „Demon Copperhead“. Das sogenannte „Kriegstagebuch“ von Ingeborg Bachmann, bereits 2011 aus dem Nachlass der großen Autorin hervorgeholt, habe ich mir gekauft, als ich vom sehr empfehlenswerten Film „Ingeborg Bachmann – jemand, der ich einmal war“ aus dem Kino ging. Wow, was für ein toller Film! In diesem semi-dokumentarischen Film wird einige Male dieses so berührende Tagebuch zitiert. Aber hallo! Kriegstagebuch? Ein etwas irreführender Titel. Das Buch hat insgesamt nur 113 Seiten, davon stammen nur sage und schreibe 16 Seiten von Ingeborg Bachmann selbst! Sie hat offenbar nur wenige Seiten aus einem (nun leider verschollenen) Tagebuch abgetippt, das sie im Jahr 1945 geschrieben hatte. Da war sie 18 Jahre alt, hatte gerade maturiert und erlebte die letzten Tage des NS-Regimes und die Befreiung durch die britische Armee. Wow! Wieso heißt es nicht „Tagebuch 1945“? Noch nie habe ich einen so scharfen, überraschenden Blick auf diese Zeit erfahren; noch nie davon gehört, was sie an Irrsinn in den allerletzten Kriegstagen erlebt hat (sie musste z.B. als Anleiterin von jungen Schülerinnen, während die Alliierten Bomben auf Klagenfurt abwarfen, in der trockenen Erde Verteidigungsgräben ausheben und ist unter Lebensgefahr desertiert). Noch nie habe ich von so einer nahen, komplexen und intellektuellen Freundschaft zu einem alliierten Soldaten gelesen. Ingeborg Bachmann beschreibt in diesen Tagebuchseiten wie sie den britischen Soldaten namens Jack Hamesch kennenlernt. Am 14. Juni 1945 notiert sie:
„Ich weiß auch nicht mehr, was wir am Anfang geredet haben, aber dann auf einmal von Büchern, von Thomas Mann und Stefan Zweig und Schnitzler und Hoffmannstahl. Ich war so glücklich, er kennt alles und er hat mir gesagt, er hätte nie gedacht, dass er ein junges Mädchen finden würde in Österreich, das trotz der Nazierziehung das gelesen hat. Und auf einmal war alles ganz anders, und ich habe ihm alles erzählt von den Büchern. Er hat mir erzählt, dass er mit einem Kindertransport nach England gebracht worden ist, ist im Jahr 38 mit anderen jüdischen Kindern, er war eigentlich schon 18 Jahre alt damals“ (S.20)
– Wow. Hier begann ein offener und liebevoller Dialog zwischen Kindern von Tätern und Opfern nur wenige Wochen nach Kriegsende!
„Jack kommt jetzt jeden Tag, und ich habe noch nie im Leben soviel geredet. Er bringt mir jetzt immer Bücher“ (S.21)
Die 18-jährige Ingeborg Bachmann spaziert stolz mit dem zurückgekehrten jüdischen Emigranten durch Klagenfurt und als er später nach Palästina zurückkehrt, schreiben sie sich viele Briefe. Etwa 40 Seiten des schmalen Bandes bestehen aus seinen Briefen an Ingeborg (er ist unglücklich verliebt in sie und wohl traumatisiert als jemand, der seine ganze Familie in der Shoa verloren hat). Die Briefe von Bachmann an ihn sind leider verlorengegangen. Welch ein erhellendes, berührendes Buch! Aber dann, ähnlich wie bei „Demon Copperhead“ kommt noch eine große, großartige Überraschung, im sehr langen Nachwort und im editorischen Bericht. Auch dieses Buch ist nicht depressiv, es ist voller Kraft der Ideen, wortstark, klug, mutig. Eine Hymne an die Befreier Österreichs vor den Nazis, die es lange schon braucht, eine Hymne an Ingeborg Bachmann, die es immer wieder braucht. Also, lest das Buch!
Den 3. überraschenden, genialen, erschütternden Text, den ich in diesem Juli gelesen habe, werde ich euch im nächsten Blog-Mail vorstellen… seid gespannt. the earth shakes…
Ich wünsche euch schöne Sommertage mit guten Büchern
Judith Copperhead
PS: Schreiben kann die Welt verändern! Du liebst Schreiben, willst wirksam werden,
dich beruflich oder in deinem Schreiben neu orientieren, starke Textstimmen entwickeln und begleiten – dann komm in den 1-jährigen TIP-Lehrgang! Wir sind eine wachsende Community von Schreibenden, die ihr Wissen über den Schreibprozess, ihre bedingungslose Orientierung an Stärken und ihre Liebe zur kreativen Vermittlung von Schreiben als Schreibtrainer*innen in die Welt bringen. NEU im TIP-Lehrgang (Start im Okt. 2026): Workshops zu Mehrsprachigkeit und KI-Detox! Details und Infos zum gesamten Modulprogramm gibt es beim nächsten ZOOM-Infoabend: Mi, 19. August 2026 ab 18 Uhr.
PSS: Juhu, seit heute sind die Termine der Lehrgänge Memoir Book und Schlaue Bücher spannend schreiben online!
Zur Zeit finden unsere Workshops und Lehrgänge vorwiegend per Zoom statt.
Aktuell im writers’studio Verein
1. Workshops & Retreats
- Life Writing – Schreibend erinnern. Start: 27. Aug
- Short Story – Einführung in das literarische Kunsthandwerk. Start: 23. Sep
- Lust und Schmerz – Gefühle von Figuren beschreiben. Start: 26. Sep
- Writing Retreat in Venedig im Herbst 2026, Start: 5. Nov
2. Lehrgänge
- Termine seit heute online: Memoir Book 26/27 – Aus ausgewählten Erfahrungen & Erkenntnissen ein literarisch spannendes Buchprojekt entwickeln.
- Vorschau – Passion Writing 2026/27– in Kunst, Handwerk & Community des literarischen & autofiktionalen Schreibens eintauchen
- Vorschau: NEUER LEHRGANG mit Anna Ladurner und Irmgard Kramer ab 2026/27: lass dich überraschen! Im Schreibjahr 2027 wartet ein neuer Lehrgang auf dich :-)
3. Kostenlose Zoom-Infotermine
- Infoabend zum Lehrgang Memoir Book: Mo, 21. Sep und Do 29. Okt
4. Schreibtreffs
- Salon Margareten – ab September: Jeden 2. Samstag des Monats > Sa, 12. Sep im Gretl in 1050 Wien.(Kostenfrei)
Salon Specials: Sa, 12. Sep: Memoir Books in Progress – Bücher, die Berge versetzen &
Sa, 10. Okt: Salon Abend zum Thema Visual Journaling - Sunday Morning Write-Ins – ab September: Schreibtreff jeden 3. Sonntag im Monat, nächster Termin: So, 20. Sep
Aktuell im Institut für Schreibkompetenz
Achtung: für diese Angebote sind Weiterbildungsförderungen möglich!
1. Workshops
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken (Inky&theBrain). Start: 2. Sep
- Gezielt schreiben mit KI- für Fortgeschrittene (Inky&TheBrain). Start: 15. Sep
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken. (Inky&theBrain). Start: 25. Sep
- Storytelling meets Wissenschaft (Inky&TheBrain). Start: 14. Oktober
- Wild Ink: Frauen schreiben Frauen jenseits von Klischees (Inky&TheBrain). Start: 25. Feb 27
2. Lehrgänge & Seminar-Reihen
- Inky & the Brain – Ideenfindung & Schreibkompetenz Zoom Workshop-Reihe für schlaue Köpfe für Denker:innen, Expert:innen, Aktivist:innen & Wissenschafter:innen
- Termine seit heute online: Schlaue Bücher spannend schreiben! Von der Idee zum publizierten Ratgeber / Know-how-Buch / Lieblingsbuch deiner Zielleser:innen
3. Kostenlose Zoom-Infotermine des Instituts
- Infoabend zum Lehrgang Schreibtrainer:in werden (TIP): 19. August
- Infoabend zum Lehrgang Schlaue Bücher spannend schreiben: 16. Jan und 27. Feb 2027
Kurzvideos zu unseren Seminaren & Lehrgängen
Life Writing (Insta / FB / Youtube)
Literarische Spielräume (Insta / FB / Youtube)
Magic Mindwriting (Insta / FB / Youtube)
Short Story (Insta / FB / Youtube)
Starke Essays, Blog- und Meinungstexte (Insta / FB)
Storytelling meets Wissenschaft (Insta / FB / Youtube)
Writers Retreat in Venedig 2025 (Insta / FB / Youtube)
Writers‘ Tricks (Insta / FB / Youtube)
Evi Hammani-Freisleben über Writers‘ Tricks (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Passion Writing (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Memoir Book: über den Memoir Schreibprozess (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Memoir Book: über den Lehrgang (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Schreibtrainer:in werden (Insta / FB / Youtube)
Seminarreihe Inky & the Brain (Insta / FB / Youtube)
Sharing & Responding – eine der großartigsten Ressourcen im Schreibprozess (Insta / FB / Youtube)
Sharing & Responding – wie bestärkendes Text-Feedback wirkt (Insta / FB / Youtube)
*Die österreichische Formulierung „No-Na“ erklärt:

Quelle: https://es.pinterest.com/smoonr/
** So einen so differenzierte Amerika-Roman wie „Demon Copperhead“ zu lesen, ist auch gut gegen all die schmerzhaft-einseitigen Klischees über die USA, die durch die täglichen Nachrichten über ihren schmerzhaft-wahnsinnigen Präsidenten zurzeit wieder befeuert werden.)
Bildcover: Harper Collins Publ. USA, Suhrkamp Verlag
ziehen wir Kreise im Leben oder gibt es einfach Dinge, die eine nie loslassen, so weit weg frau sich auch daon entfernt? Was ist das bei dir? Bei mir ist es die Kunst und, ja, die Wissenschaft. Beides erlebt gerade eine Renaissance bei mir. Durch mein Studium an der Akademie der bildenden Künste bin ich auf superspannende Weise mit Kunst und Wissenschaft im Nahkontakt und genieße das sehr. Wissenschaft? Da war doch was?
Ja, ich habe vor 19 Jahren ein Buch publiziert, das mich in seiner Langlebigkeit total überrascht. „
„alles neu macht der Mai“, summt es mir durch den Kopf. Dabei ist es „nur“ die Wärme und das warm-helle Licht, das mich gerade glücklich macht. So verdammt lang habe ich darauf gewartet. „Nichts Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein“, hat Ingeborg Bachmann geschrieben und viel Zeit in ihrem Leben in Rom verbracht. Wien in ihrer
Neu im writers´studio:
Zwischen Lehren, Studieren und Malen bin ich – wie im letzten Mailing erwähnt – nun auf der Suche nach einem Verlag für mein neues Buch: ein Memoir darüber, wie ich in den optimistischen 1990er Jahren in Amerika zum Schreiben kam und was mir dort noch alles geschenkt wurde… und wie mir beim Schreiben darüber eine „vergessene“ Großtante begegnete, die 1922 von einem oberösterreichischen Bauerndorf nach New York emigriert ist. Wenn du Ideen und Kontakte zu Verlagen hast, bzw. selbst in einem solchen arbeitest, melde dich bei mir. Vielen Dank!
Nun melde ich mich zurück nach meiner Februar-Schreibzeit in Portugal, mit good news und einer ziemlich absurden Geschichte, in der mich KI-Texte an die Wand spielen.
Am vorletzten Tag meiner Zeit in Lissabon bin ich zu einem Strand südlich der Stadt gefahren, an dem ich als Kind mit meinen Eltern gewesen bin. Wunderschöner, endloser Sandstrand, wo sich nun – selbst im Winter – die Surfer der Welt einquartiert haben. Zurück nahm ich ein Uber, da es öffentlich ewig gedauert hätte. Herrliche Fahrt über die Lissaboner „Golden Gate Bridge“ (so schön!) und in die abgelegene Altstadt, wo mein Zimmer war. Frisch-fröhlich steige ich aus, und merke ein paar Minuten zu spät, dass mein Handy weg ist. Im Uber-Auto vergessen. Wie blöd! Naja, denke ich, kein Problem ich kontaktiere Uber über die App. Aber ohne Handy?
Nach etwa einer Stunde habe ich es geschafft Uber über meinen Laptop zu kontaktieren, ohne App, ohne dass sie mir eine Sicherheitsnummer auf mein Handy schicken. Dann kam ein freundliches Mail, sie würden die Fahrerin kontaktieren und sich bei mir melden. Am nächsten Tag war mein Rückflug, also war ich etwas ungeduldig. Keine Nachricht, ich schrieb nochmal, wieder eine freundliche Antwort, fast zu freundlich, in zu perfektem Englisch. Ich schreibe, ich schreie per Mail. (Wenn man bei Uber über eine Nummer anruft, die nicht registriert ist, wird man sofort aus der Leitung geworfen.) To make a long story short: ich flog ohne Handy zurück nach Wien.
Irgendwann kam eine hyperfreundlich-hyperperfekt geschriebene Mail: “Your item was found.“ Sie würden der Fahrerin meine Kontaktdaten geben. Sehr schön, ich wartete tagelang. Dann kam eine Mail: „Hi Judith, it looks like you and the driver live in different cities. To help coordinate the return of your lost item, we’ll send your phone number to the driver.” Hey Leute, seit einer Woche schreib ich euch, dass ich nicht mehr in Portugal bin und meine Vermieterin mir gerne das Handy schicken wird, wenn ihr es zu ihr bringt!
Mehr als 2 Wochen nachdem mein Handy im Uber geblieben ist und die Mails immer absurder werden, bezweifle ich, ob je ein realer Mensch von Uber daran beteiligt war. Ich weiß nicht mal, ob die reale Fahrerin je real geantwortet hat, ob sie real mein reales Handy gefunden hat. Was sollen mir diese KI-Nachrichten bringen?
Hier nun aber noch ein paar kreativ-intelligent-menschliche, also echte good news:
Mein Handy und Uber habe ich schon aufgegeben; mein Glaube an die Wichtigkeit von authentischem Schreiben und dass alle es lernen dürfen sollen, steigt.
ich habe ein T-Shirt, auf dem die Lebenshaltung von der supergescheiten Hermine Granger aus Harry Potter so aufgedruckt ist: „In case of doubt go to the library.“ Nun gäbe es viel zu sagen zur Bibliothek von Hogwarts, wo magische Bücher laut zu einem sprechen oder einen sogar beißen können. Oder Hermines kleine, aber wundersame Perlenhandtasche, in die sie für eine Abenteuerreise eine halbe Bibliothek packt! Bücher sind jedenfalls Schlüssel für das abenteuerliche Leben mit all seinen Wäldern, Wüsten, Bergspitzen und Herausforderungen. Gute Bücher sind solche, die einem helfen ein Stück des Lebens oder einen Aspekt des Lebens besser zu verstehen, neu zu definieren, anders anzupacken.
Was genau macht ein „Sachbuch“/Non-Fiction-Book zum Erfolgsbuch? – das fragen sich viele.
Der große Erfolg meines Ratgebers „
In case of doubt go to the library – Bücher als echte Ratgeber!
dies ist weniger eine Weihnachstmail als eine Jahresmail, Rückblick, Vorausschau. Bericht und Vision.
„Mit der Gruppe im fantastischen Palazzo zu sein und Venedigs Kanäle halfen mir dabei, in den Schreibfluss zu kommen, Sorgen wegrinnen zu lassen, Blockaden aufzuweichen“, schrieb mir eine Teilnehmerin am Ende unseres Writing Retreats in Venedig, letztes Wochenende. Nun – zurück in Wien – habe ich noch die wunderbaren Text-Stimmen und Geschichten im Ohr, die wir bei den Vorleserunden jeden Abend im herrlich-bequemen Salon unseres Palazzos hören durften. Das Venedig Retreat ist auch eine Metapher dafür, worum es in unserem wunderbaren
In der letzten Stunde des diesjährigen Venedig-Retreats hörten wir
mein liebstes magisches Gerät aus der Harry Potter-Welt war immer der Zauberstab von Miss Weasley, mit dem sie im Nu das Haus aufräumen, den Tisch decken und ein Essen für viele servieren kann. Lustig fand ich die Flotte-Schreib-Feder der Journalistin Rita Kimmkorn. Eine Feder, die von selbst Artikel schreibt, Aussagen von Menschen im Raum registriert und verarbeitet. Die Artikel von Rita Kimmkorn erscheinen im Tagespropheten, einer ziemlich bösartige Boulevard-Zeitung, die Harry Potter exponiert. Die Flotte-Schreib-Feder (im englischen Original „Quick-Quotes Quill“) erfindet gehörig viel dazu, verdreht Tatsachen etc. Damals, als ich meinem Sohn Harry Potter vorlas, sah ich Rita Kimmkorn als Karikatur für Boulevard-Journalismus. Heute denke ich, die Flotte Feder ist eine Vorwegnahme von KI. Nun gibt es also das selbstschreibende magische Tool für alle, das auch ganz schön viel Blödsinn erfindet.
Heutzutage, in Zeiten von KI braucht es beides, noch mehr authentische Schreibkompetenz (jetzt erst recht!) und andererseits Wissen über KI – was sie kann und was nicht. Deshalb freuen wir uns, dass unser Workshop Writers´ Tricks, nach über 20 Jahren immer noch läuft. Zusätzlich bieten wir nun sehr kluge und differenzierte Workshops zu
Die Flotte-Schreib-Feder, die von selbst schreibt, ist aber nicht nur ein fiktives Zaubergerät und ein weit verbreitetes Wunschbild, sie ist auch eine Versinnbildlichung für Flow. Kennt ihr das, wenn es sich „wie von selbst schreibt“, wenn es fließt, Ideen und Worte hervorpurzeln, aufs Papier oder in den Computer hinein und ihr erstaunt seid, was da alles entsteht?
kennt Ihr Amelie Nothomb? Ich habe von kaum einer Autorin so viel gelesen! Seit Jahrzehnten. Die belgische Autorin, geb. 1967, publiziert circa 1 x pro Jahr einen kurzen Roman, meist maximal 130 Seiten. Die Bücher lesen sich im Nu, sind frisch, frech und frei. Viele ihrer Romane sind stark autobiographisch geprägt, manche gar nicht. In der langen Serie der Bücher von Amelie Nothomb gab es immer wieder echte Überraschungen. So nun auch ihr letztes, soeben erschienenes Buch, „Psychopompos“. Wow!
In „Psychopompos“ beschreibt Amelie Nothomb ihre Faszination für Vögel seit Kindheitstagen, das Gezwitscher, die Gesänge, das Gefieder anders in jedem Land, in dem sie als Diplomatenkind lebte. Das Buch ist ein Schnelldurchgang durch ihr Leben anhand der Vögel, die jeweils eine Rolle spielten. Um dann ihren Absturz zu beschreiben, als Jugendliche in Bangladesch, als sie vergewaltigt wurde. Danach verbrachte sie viele Jahre stumm, magersüchtig, dissoziiert und begann mit etwa 20 Jahren – zurück in Japan! – zu schreiben. Diesen Rausch, diese Erleichterung, dieses Zu-sich-kommen beim Scheiben empfindet sie wie einen Flug, sich selbst als Vogel. Das tägliche Schreiben jeden Tag in der Früh ermöglichte ihr Überleben. Schreiben sei, meint sie, wie ein Vogel, der aus der Höhe steil in die Tiefe stürzt und dann kurz vor einem Aufprall wendet und nach oben schießt. Welch eine schöne Gestalt einer „Inneren Schreiber:in“ – wie ich es in meinem Artikel „
Das writers´studio war eines der ersten Institute im deutschsprachigen Raum, dass sich diesem Genre mit Herz und Hirn angenommen hat und das Memoir als Kunstform im Sinne des angloamerikanischen Zugangs aus der Schmuddelecke geholt hat. In unseren Workshops entstehen so wichtige, berührende, gut lesbare Werke! Also, kommt in unseren
Eine Leidenschaft ist etwas, das du mit Begeisterung tust und immer wieder. Immer wieder komme ich in meinem Leben zum Malen, Schreiben, Reisen. Ein Ort, an den ich seit Jahrzehnten reise, ist Venedig. Und zwar im Winter! Oder Spätherbst! Als Studentin in den 90er-Jahren habe ich den täglichen (und günstigen) Nachtzug vom Wiener Südbahnhof nach Venezia Santa Lucia direkt am Canal Grande entdeckt und oft genutzt.
Immer hat es mich inspiriert und verzaubert mit seiner unfassbaren Schönheit, dem Geheimnis seiner verwinkelten Gassen und dem mystischen Herbstnebel in den Kanälen. Wahr ist auch, dass