Liebe Schreibende,
Liebe Schreibende!
Nun melde ich mich zurück nach meiner Februar-Schreibzeit in Portugal, mit good news und einer ziemlich absurden Geschichte, in der mich KI-Texte an die Wand spielen.
Ich hab so toll geschrieben in Portugal, trotz oder wegen des vielen Regens. Spaziergänge am Atlantik, frisch gegrillte Sardinen, coole internationale community. I love it. Die erste good news ist, ich bin fertig mit meinem Buch! Jetzt geht es ab zu Feedbackgeber:innen, Agent:innen, Lektor:innen, Verlagen…
Am vorletzten Tag meiner Zeit in Lissabon bin ich zu einem Strand südlich der Stadt gefahren, an dem ich als Kind mit meinen Eltern gewesen bin. Wunderschöner, endloser Sandstrand, wo sich nun – selbst im Winter – die Surfer der Welt einquartiert haben. Zurück nahm ich ein Uber, da es öffentlich ewig gedauert hätte. Herrliche Fahrt über die Lissaboner „Golden Gate Bridge“ (so schön!) und in die abgelegene Altstadt, wo mein Zimmer war. Frisch-fröhlich steige ich aus, und merke ein paar Minuten zu spät, dass mein Handy weg ist. Im Uber-Auto vergessen. Wie blöd! Naja, denke ich, kein Problem ich kontaktiere Uber über die App. Aber ohne Handy?
Nach etwa einer Stunde habe ich es geschafft Uber über meinen Laptop zu kontaktieren, ohne App, ohne dass sie mir eine Sicherheitsnummer auf mein Handy schicken. Dann kam ein freundliches Mail, sie würden die Fahrerin kontaktieren und sich bei mir melden. Am nächsten Tag war mein Rückflug, also war ich etwas ungeduldig. Keine Nachricht, ich schrieb nochmal, wieder eine freundliche Antwort, fast zu freundlich, in zu perfektem Englisch. Ich schreibe, ich schreie per Mail. (Wenn man bei Uber über eine Nummer anruft, die nicht registriert ist, wird man sofort aus der Leitung geworfen.) To make a long story short: ich flog ohne Handy zurück nach Wien.
Irgendwann kam eine hyperfreundlich-hyperperfekt geschriebene Mail: “Your item was found.“ Sie würden der Fahrerin meine Kontaktdaten geben. Sehr schön, ich wartete tagelang. Dann kam eine Mail: „Hi Judith, it looks like you and the driver live in different cities. To help coordinate the return of your lost item, we’ll send your phone number to the driver.” Hey Leute, seit einer Woche schreib ich euch, dass ich nicht mehr in Portugal bin und meine Vermieterin mir gerne das Handy schicken wird, wenn ihr es zu ihr bringt!
Wieder ein paar Tage und etliche wütende Mails von mir später kommt die Nachricht: „Hi Judith, we have good news! We can confirm the driver found your missing item.
However, we are still waiting for the driver to respond to our request.”
Mehr als 2 Wochen nachdem mein Handy im Uber geblieben ist und die Mails immer absurder werden, bezweifle ich, ob je ein realer Mensch von Uber daran beteiligt war. Ich weiß nicht mal, ob die reale Fahrerin je real geantwortet hat, ob sie real mein reales Handy gefunden hat. Was sollen mir diese KI-Nachrichten bringen?
Fakt ist: KI kann bei Texten manches gut (z.B. einen MRT-Befund in Versteh-Deutsch übersetzen oder meine handschriftlichen Notizen digitalisieren), aber es hat null Verstand über reale Abläufe, null Grundwissen über die Feinheiten des Alltags* und null Menschlichkeit! KI kann einfach nicht kommunizieren, nicht mal eine scheinbar so banale Sache, wie einer Kundin ein „lost item“ zurückzugeben.
Die Rückkehr zu von Menschen selbst geschriebenen Texten ist bitter notwendig, sowieso im kreativen und intellektuellen Bereich, aber auch für Firmen!
Hier nun aber noch ein paar kreativ-intelligent-menschliche, also echte good news:
1. Zoom-Infotermine für den nächsten Durchgang unserer phänomenalen Ausbildung zur Schreibtrainer:in (TIP), die im Okt 2026 startet, sind nun online: 8. April und 10. Juni..
2. Die Termine für meinen Workshop Starke Essays, Kommentare und Meinungstexte im Juni wurden endlich fixiert. Förderungen möglich! Schreib mit mir!
3. Ebenso gibt es Förderungen für Bas coolen feministischen Workshop Our Voices – Our Stories: Unsere Stimmen als Frauen entdecken & gemeinsam Geschichten spinnen der wieder am 29. April 26 per Zoom startet. Unsere authentischen Stimmen und Texte in der Welt sind sooo wichtig!
4. Im Sommer halte ich wieder ein Summer Writing Retreat in Wien, diesmal in Idas wunderbaren Atelier am grünen Prater: 3. bis 7. August! Schreib mit! Wien ist wunderbar im Sommer!
5. Am 16. März beginnt wieder Irenes beliebter Storytelling– Workshop. Wie können Fachtexte durch Geschichten spannender, lesbarer, verständlicher werden? 4 Abende per Zoom, Förderungen möglich.
Mein Handy und Uber habe ich schon aufgegeben; mein Glaube an die Wichtigkeit von authentischem Schreiben und dass alle es lernen dürfen sollen, steigt.
Bom dia!
Judith
PS: Diesen Freitag, 6. März, 17 Uhr ist der letzte Zoom-Infoabend (kostenlos) zu meinem Lehrgang „Schlaue Bücher spannend schreiben“. Bitte anmelden, ich freue mich auf euch.
PPS: Wir freuen uns schon auf den nächsten Salon Margareten am Samstag, 14. März 2026. Schau vorbei beim Untergrund Salon!
* kennt ihr dieses Experiment, in dem jemand die KI fragt, wie man aus einem umgedrehten Glas trinken soll? So witzig, so bezeichnend. (Youtube-Link zum Video)
Zur Zeit finden unsere Workshops und Lehrgänge vorwiegend per Zoom statt.
Aktuell im writers’studio Verein
1. Workshops & Retreats
- Life Writing – Schreibend erinnern. Start: 21. März
- Short Story – Einführung in das literarische Kunsthandwerk. Start: 15. Apr
- Life Writing – Schreibend erinnern. Start: 7. Mai
- Autofiktion – Literarische Versuche zwichen Erlebtem und Erfundenem. Start: 30. Mai
- Literarische Spielräume – Perspektive, Sprache & Ton. Start: 2. Juli
- NEU! Summer Retreat in Wien mit Judith Wolfsberger, Start: 3. Aug
- Life Writing – Schreibend erinnern. Start: 27. Aug
- Short Story – Einführung in das literarische Kunsthandwerk. Start: 23. Sep
- Lust und Schmerz – Gefühle von Figuren beschreiben. Start: 26. Sep
- NEU! Vorschau: Writing Retreat in Venedig im Herbst 2026, Start: 5. Nov
2. Lehrgänge
- Lehrgang Passion Writing – in Kunst, Handwerk & Community des literarischen & autofiktionalen Schreibens eintauchen, letzter Einstieg: März!
- Lehrgang Memoir Book – Aus ausgewählten Erfahrungen & Erkenntnissen ein literarisch spannendes Buchprojekt entwickeln, letzter Einstieg: März!
3. Kostenlose Zoom-Infotermine
- Für Beratung zum Lehrgang Passion Writing oder Memoir Book wende dich einfach direkt ans Büro!
4. Schreibtreffs
- Salon Margareten – jeden 2. Samstag des Monats > Sa, 14. März im Gretl in 1050 Wien.(Kostenfrei)
- Sunday Morning Write-Ins – Schreibtreff jeden 3. Sonntag im Monat, nächster Termin: So, 15. März
Aktuell im Institut für Schreibkompetenz
Achtung: für diese Angebote sind Weiterbildungsförderungen möglich!
1. Workshops
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken. Start: 18. März
- Storytelling meets Wissenschaft (Inky&TheBrain). Start: 19. März
- Travel Writing – das Reisen und das Schreiben. Start: 21. März
- Creative Inky Tank (Inky&TheBrain). Start: 14. April
- Our Voices – Our Stories (Inky&TheBrain). Start: 29. April
- Starke Essays, Kommentare und Meinungstexte. Start: 1. Juni (geänderte Termine!)
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken. Start: 9. Juni
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken. Start: 2. Sep
- Gezielt schreiben mit KI- für Fortgeschrittene (Inky&TheBrain). Start: 15. Sep
- Writers‘ Tricks – In den Schreibfluss eintauchen & schriftlichen Ausdruck stärken. Start: 25. Sep
2. Lehrgänge & Seminar-Reihen
- Inky & the Brain – Ideenfindung & Schreibkompetenz Zoom Workshop-Reihe für schlaue Köpfe für Denker:innen, Expert:innen, Aktivist:innen & Wissenschafter:innen
- Schlaue Bücher spannend schreiben! Von der Idee zum publizierten Ratgeber / Know-how-Buch / Lieblingsbuch deiner Zielleser:innen. Start: 24. Apr (nach Writers Tricks)
3. Kostenlose Zoom-Infotermine des Instituts
- Infoabend zum Lehrgang Schlaue Bücher spannend schreiben!: 6. März
- Infoabend zum Lehrgang Schreibtrainer:in werden (TIP): 8. April, 10. Juni
Coole Kurzvideos zu unseren Seminaren & Lehrgängen
Life Writing (Insta / FB / Youtube)
Literarische Spielräume (Insta / FB / Youtube)
Magic Mindwriting (Insta / FB / Youtube)
Short Story (Insta / FB / Youtube)
Starke Essays, Blog- und Meinungstexte (Insta / FB)
Storytelling meets Wissenschaft (Insta / FB / Youtube)
Writers Retreat in Venedig 2025 (Insta / FB / Youtube)
Writers‘ Tricks (Insta / FB / Youtube)
Evi Hammani-Freisleben über Writers‘ Tricks (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Passion Writing (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Memoir Book: über den Memoir Schreibprozess (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Memoir Book: über den Lehrgang (Insta / FB / Youtube)
Lehrgang Schreibtrainer:in werden (Insta / FB / Youtube)
Seminarreihe Inky & the Brain (Insta / FB / Youtube)
Sharing & Responding – eine der großartigsten Ressourcen im Schreibprozess (Insta / FB / Youtube)
Sharing & Responding – wie bestärkendes Text-Feedback wirkt (Insta / FB / Youtube)
ich habe ein T-Shirt, auf dem die Lebenshaltung von der supergescheiten Hermine Granger aus Harry Potter so aufgedruckt ist: „In case of doubt go to the library.“ Nun gäbe es viel zu sagen zur Bibliothek von Hogwarts, wo magische Bücher laut zu einem sprechen oder einen sogar beißen können. Oder Hermines kleine, aber wundersame Perlenhandtasche, in die sie für eine Abenteuerreise eine halbe Bibliothek packt! Bücher sind jedenfalls Schlüssel für das abenteuerliche Leben mit all seinen Wäldern, Wüsten, Bergspitzen und Herausforderungen. Gute Bücher sind solche, die einem helfen ein Stück des Lebens oder einen Aspekt des Lebens besser zu verstehen, neu zu definieren, anders anzupacken.
Was genau macht ein „Sachbuch“/Non-Fiction-Book zum Erfolgsbuch? – das fragen sich viele.
Der große Erfolg meines Ratgebers „
In case of doubt go to the library – Bücher als echte Ratgeber!
dies ist weniger eine Weihnachstmail als eine Jahresmail, Rückblick, Vorausschau. Bericht und Vision.
„Mit der Gruppe im fantastischen Palazzo zu sein und Venedigs Kanäle halfen mir dabei, in den Schreibfluss zu kommen, Sorgen wegrinnen zu lassen, Blockaden aufzuweichen“, schrieb mir eine Teilnehmerin am Ende unseres Writing Retreats in Venedig, letztes Wochenende. Nun – zurück in Wien – habe ich noch die wunderbaren Text-Stimmen und Geschichten im Ohr, die wir bei den Vorleserunden jeden Abend im herrlich-bequemen Salon unseres Palazzos hören durften. Das Venedig Retreat ist auch eine Metapher dafür, worum es in unserem wunderbaren
In der letzten Stunde des diesjährigen Venedig-Retreats hörten wir
mein liebstes magisches Gerät aus der Harry Potter-Welt war immer der Zauberstab von Miss Weasley, mit dem sie im Nu das Haus aufräumen, den Tisch decken und ein Essen für viele servieren kann. Lustig fand ich die Flotte-Schreib-Feder der Journalistin Rita Kimmkorn. Eine Feder, die von selbst Artikel schreibt, Aussagen von Menschen im Raum registriert und verarbeitet. Die Artikel von Rita Kimmkorn erscheinen im Tagespropheten, einer ziemlich bösartige Boulevard-Zeitung, die Harry Potter exponiert. Die Flotte-Schreib-Feder (im englischen Original „Quick-Quotes Quill“) erfindet gehörig viel dazu, verdreht Tatsachen etc. Damals, als ich meinem Sohn Harry Potter vorlas, sah ich Rita Kimmkorn als Karikatur für Boulevard-Journalismus. Heute denke ich, die Flotte Feder ist eine Vorwegnahme von KI. Nun gibt es also das selbstschreibende magische Tool für alle, das auch ganz schön viel Blödsinn erfindet.
Heutzutage, in Zeiten von KI braucht es beides, noch mehr authentische Schreibkompetenz (jetzt erst recht!) und andererseits Wissen über KI – was sie kann und was nicht. Deshalb freuen wir uns, dass unser Workshop Writers´ Tricks, nach über 20 Jahren immer noch läuft. Zusätzlich bieten wir nun sehr kluge und differenzierte Workshops zu
Die Flotte-Schreib-Feder, die von selbst schreibt, ist aber nicht nur ein fiktives Zaubergerät und ein weit verbreitetes Wunschbild, sie ist auch eine Versinnbildlichung für Flow. Kennt ihr das, wenn es sich „wie von selbst schreibt“, wenn es fließt, Ideen und Worte hervorpurzeln, aufs Papier oder in den Computer hinein und ihr erstaunt seid, was da alles entsteht?
kennt Ihr Amelie Nothomb? Ich habe von kaum einer Autorin so viel gelesen! Seit Jahrzehnten. Die belgische Autorin, geb. 1967, publiziert circa 1 x pro Jahr einen kurzen Roman, meist maximal 130 Seiten. Die Bücher lesen sich im Nu, sind frisch, frech und frei. Viele ihrer Romane sind stark autobiographisch geprägt, manche gar nicht. In der langen Serie der Bücher von Amelie Nothomb gab es immer wieder echte Überraschungen. So nun auch ihr letztes, soeben erschienenes Buch, „Psychopompos“. Wow!
In „Psychopompos“ beschreibt Amelie Nothomb ihre Faszination für Vögel seit Kindheitstagen, das Gezwitscher, die Gesänge, das Gefieder anders in jedem Land, in dem sie als Diplomatenkind lebte. Das Buch ist ein Schnelldurchgang durch ihr Leben anhand der Vögel, die jeweils eine Rolle spielten. Um dann ihren Absturz zu beschreiben, als Jugendliche in Bangladesch, als sie vergewaltigt wurde. Danach verbrachte sie viele Jahre stumm, magersüchtig, dissoziiert und begann mit etwa 20 Jahren – zurück in Japan! – zu schreiben. Diesen Rausch, diese Erleichterung, dieses Zu-sich-kommen beim Scheiben empfindet sie wie einen Flug, sich selbst als Vogel. Das tägliche Schreiben jeden Tag in der Früh ermöglichte ihr Überleben. Schreiben sei, meint sie, wie ein Vogel, der aus der Höhe steil in die Tiefe stürzt und dann kurz vor einem Aufprall wendet und nach oben schießt. Welch eine schöne Gestalt einer „Inneren Schreiber:in“ – wie ich es in meinem Artikel „
Das writers´studio war eines der ersten Institute im deutschsprachigen Raum, dass sich diesem Genre mit Herz und Hirn angenommen hat und das Memoir als Kunstform im Sinne des angloamerikanischen Zugangs aus der Schmuddelecke geholt hat. In unseren Workshops entstehen so wichtige, berührende, gut lesbare Werke! Also, kommt in unseren
Eine Leidenschaft ist etwas, das du mit Begeisterung tust und immer wieder. Immer wieder komme ich in meinem Leben zum Malen, Schreiben, Reisen. Ein Ort, an den ich seit Jahrzehnten reise, ist Venedig. Und zwar im Winter! Oder Spätherbst! Als Studentin in den 90er-Jahren habe ich den täglichen (und günstigen) Nachtzug vom Wiener Südbahnhof nach Venezia Santa Lucia direkt am Canal Grande entdeckt und oft genutzt.
Immer hat es mich inspiriert und verzaubert mit seiner unfassbaren Schönheit, dem Geheimnis seiner verwinkelten Gassen und dem mystischen Herbstnebel in den Kanälen. Wahr ist auch, dass
Im Februar dieses Jahres, in jenen Tagen, als ich in der kalifornischen Wüste neue Ideen entwickelte, wie es mit dem writers´studio und meinem Schreiben und Lehren weitergeht, ist, so habe ich jetzt erst erfahren, einer meiner größten und wichtigste Lehrer verstorben. Peter Elbow war 89 und starb „surrounded by laughter, stories and love“, wie es im „obiturary“ heißt. Peter Elbow lebt weiter durch seine Bücher, seinen Freewriting-Ansatz, sein Vorbild, seine Inspiration, in tausenden und abertausenden Köpfen und Herzen von Lehrenden und Schreibenden.
Ich habe vor über 20 Jahren Peter Elbows Bücher, v.a. „Writing without Teachers“, „Writing with Power“ und „A Community of Wrtiters/ Being a Writer“ verschlungen, inhaliert, transformiert und mehr als jeden anderen Ansatz zur Basis des writers´studios und meinen Seminaren gemacht:
Feiern wir Peter Elbows Freewriting-Ansatz: Schreibt mit uns beim
Im Juni 2008 durfte ich Peter Elbow persönlich kennenlernen. Ausgerechnet in meinem geliebten Schottland. Er leitete als Auftakt einer Schreib-Konferenz gemeinsam mit Rowena Murray ein Writing Retreat direkt am wunderschönen dunklen See, Loch Lomond. Da stand er, der weise, alte (damals 73-jährige), großgewachsene Mann und strahlte so viel Lebensfreude und Wohlwollen aus. Nie vergesse ich, wie er die Vorstellrunde des Retreats, an dem vorwiegend britische Lehrende im Bereich akademisches Schreiben teilnahmen, so anleitete: „Sag uns nicht, was du alles geleistet hast, was du alles bist. Erzähl uns von einer Sache, die du gerade lernst. Ich zum Beispiel lerne gerade in einem Laien-Barockorchester Violine zu spielen. Es ist so schwer und macht mir gleichzeitig so viel Freude.“ Später sagte er: „Macht nun einen Plan für den Schreibtag, aber seid offen dafür, dass ihr womöglich etwas völlig anderes schreiben werdet.“ So war es dann auch bei mir. Peter Elbow und die Kolleg:innen im Raum, der Blick aus dem Fenster auf die dramatischen, schottischen Berge und den dunklen See, ließen mich eine lange, lange Ballade über mein damaliges Lebensdrama schreiben.
Nach dem Retreat am Loch Lomond war Peter Elbow auf der Konferenz in Glasgow für den letzten Tag als Superstar-Keynote-Speaker eingeplant. Dieser Zeitplan gefiel ihm nicht, so hielt er die erste Hälfte seiner Keynote schon am ersten Tag und sagte: „Ich will doch während der Konferenz mit euch über meine neuen Thesen reden. Bitte kommt in den Pausen zu mir und sagt mir, was ihr darüber denkt.“ Und dann hielt er in diesem großen, vollen Hörsaal der Universität Glasgow frei und ganz ohne PowerPoint eine lockere Rede über seinen neuesten Forschungen zu Umgangssprache und Schreiben. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er sich einfach auf den vordersten Tisch setzte und hunderte Menschen mit seinen Worten fesselte. Der Freewriting-Papa war auch ein großartiger Freisprecher.
Freewriting ist das Herz des writers´studio. Vor vielen Jahren habe ich in einem Kunst-Lehrgang einen Siebdruck gemacht, den viele von euch kennen, weil er später zu unserem Emblem wurde. Das Wort „Free Writer“ steht in Jugendstilschrift über einer Möwe, die über die New Yorker Verezano Bridge schwebt. Nun, nach unserem Auszug aus der Wienzeile, bei dem wir viele Sachen weggeben mussten, möchte ich zwei der gerahmten Originale dieses Siebdrucks (in Gold und Dunkelblau) verkaufen. Melde dich, wenn du Interesse hast.
**Wie passend, dass wir in unserem ersten
Ich lese, lese, lese. Ich lese – also bin ich. Lebe. Denke. Verstehe. Empfinde. Ich lese viel. Verschlinge Bücher, eines nach dem anderen. Falle genussvoll in andere Welten, Zeiten, Perspektiven. Kann dabei komplett aus aktuellen Unklarheiten der Welt und meines Lebens aussteigen, loslassen und anderswo einsteigen. Wann ich lese? In Zügen, in der Mittagspause, vor dem Einschlafen abends, jeden Tag. Ich lese auch regelmäßig den „New Yorker“, diese phänomenale und umfangreichen Wochenzeitschrift, die gerade hundertjähriges Bestehen feiert: sehr lange Artikel über Kunst, Kultur, Gesellschaft. Zusätzlich lese ich Bücher, eines nach dem anderen. Ich bin also Kettenleserin.
Vor 2 Jahren begann einer meiner Briefe übers Schreiben an euch mit „Ich liebe ChatGPT“ (weil es neue Schreibdidaktik in den Schulen bringen wird. Dazu mehr ein andermal). Nun schreibe ich euch: Ich liebe den Sommer in der Stadt. In den Städten! Zum Schreiben! Ja, ich weiß, manche denken da an Flucht, raus in den Wald, an den Strand etc. Ich hingegen fahre im Sommer in Großstädte, um an meinem Buchprojekt weiterzuarbeiten und veranstalte für mich und andere ein Retreat mitten im wunderbar entspannten und vielfältigen Sommer-Wien am Schreibfluss.
Letzten Sommer war ich 2 Wochen in New York, schrieb an Vormittagen in meiner allerliebsten Bibliothek, in der erhabenen